12. Dezember – Hygge

Hygge?? Wer gerne in Buchläden rumstöbert, ist sicher schon mal über dieses Wort gestolpert. Aber es ist nicht nur irgendein Wort, es verkörpert ein ganzes Lebensgefühl. Und zwar ein derart tolles Gefühl, dass ich Euch heute ein bißchen was darüber erzählen möchte.
Von mir also die Theorie, in die Praxis umsetzten, müsst (nein, dürft) Ihr es dann selbst.
Versprochen, es lohnt sich!!

Schon länger interessiere ich mich für „Hygge“, schon alleine deshalb, weil das Wort „hyggelig“ so furchtbar nett klingt.

Jetzt habe ich, zu meiner großen Freude, im Familienadventskalender ein ganz tolles Buch geschenkt bekommen. Und zwar von meinem Sohn.
Über das Buch habe ich mich riesig gefreut, aber fast noch mehr darüber, dass er sich wirklich Gedanken gemacht hat, was mein Herz zum Hüpfen bringen könnte. Also: „Sehr gute Wahl, Zweitgeborener.“

Das Buch heißt „HYGGE“ (wie könnte es anders sein) und ist von Meik Wiking, einem Dänen, der in England lebt. Erschienen ist es im Lübbe Verlag. Falls ihr noch ein feines, kleines Weihnachtsgeschenk sucht. ;o)

Der Untertitel lautet: „Ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht.“
Und damit ist es auch schon ganz gut erklärt. Wirklich Übersetzten lässt sich das Wort nicht, im Internet findet man viele Erklärungsversuche, am besten gefällt mir „Gemütlichkeit der Seele“. Gefühle lassen sich eben recht schwer in Worte fassen.

Hygge kommt aus Dänemark. Nicht umsonst das glücklichste Land der Welt! Die haben sogar ein eigenes „Happiness Research Institut“, das wäre mal ein toller Arbeitsplatz für mich!
Hier wird wissenschaftlich erforscht, was die Dänen genau glücklich macht, denn sie haben die selben Probleme, wie andere Länder auch, zudem im Herbst und Winter noch jede Menge Dunkelheit und viel mehr Regen als wir. (Das Land wird gerade immer attraktiver als Altersruhesitz.)

Aber vielleicht waren genau das graue Wetter und die Tristesse des dunklen Winters dafür verantwortlich, dass die Dänen versucht haben, es sich so kuschelig und gemütlich wie möglich zu machen.

Das Buch versucht in 14 Kapiteln, dem hyggeligen Glück der Dänen auf den Grund zu gehen.
Hier eine kleine, aber feine Auswahl:

Licht

Wer schon mal in einem stockdunklen Raum saß weiß, wie schwer es ist die Dunkelheit auszuhalten. Was für einen Unterschied macht da eine einzige Kerze? Die Dänen sind Weltmeister im Verbrauch von Kerzen. Nichts schafft eine so heimelige Stimmung zu zaubern, wie Kerzenlicht. Deswegen zündet nicht nur eine, sondern gleich viele Kerzen an!! (Denkt aber an das regelmäßige Lüften.)
Eine weitere Option ist indirekte Beleuchtung und viele verschiedene Lichtquellen in einem Raum. Je wärmer die Lichttemperatur, um so besser.
Der absolute Oberknaller ist natürlich offenes Feuer. Ein Kamin, ein Schwedenofen mit Fensterchen oder ein Lagerfeuer. Da bekommt man zum Lichterschein obendrein noch jede Menge wärmende Gemütlichkeit dazu geschenkt.

Gemeinschaft

Es ist gar nicht schwierig, alleine „Hygge“ zu erleben. Ein gutes Buch, eine leckere Tasse Tee, ein kuscheliges Plätzchen. Tada!!

Aber die schönsten Erinnerungen entstehen meinst dann, wenn liebe Menschen mit im Spiel sind. Hierbei gilt nicht die Regel: Je mehr Leute, desto mehr Hygge. Im Gegenteil. Oft reichen ein oder zwei Menschen, der Kreis der Familie, der beste Freund oder die Mädelsrunde… eben die Menschen, bei denen man sich am besten Entspannen kann, man selbst sein kann, ungezwungen lachen kann und auch schweigen.
Daran erkennt man, dass es eine „hyggelige“ Gesellschaft ist. Man kann zusammen lachen, bis einem die Bäuche weh tun, aber eben auch schweigen, ohne das eine seltsame Stimmung entsteht.
Stille zwischen Menschen ist nicht immer gleich ein „betretenes Schweigen“.
Man kann gemeinsam beim Spazierengehen dem Blätterrauschen lauschen oder beim Essen einfach nur still den Geschmack des Essens genießen. Mit sich und der Gegenwart ganz eins und zufrieden.

Essen und Trinken

Liebe geht durch den Magen. Da bin ich fest von überzeugt. Ich koche gerne und esse noch viel lieber. ;o)
Damit bin ich sicher nicht alleine.
Essen verbindet und ist mit vielen Traditionen verknüpft. Ein Weckmann nach dem Laternenumzug schmeckt einfach besonders gut, genauso wie die Linzertorte beim Schein der ersten Adventskerze.

Besonders viel Hygge bekommt ihr auf den Teller, wenn der Prozess der Zubereitung auch schon voller Liebe und Zeit geschieht:
Gemeinsam kochen, den Tisch schön herrichten (da sind sie schon wieder, die Kerzen), Brot selber kneten und backen, die Beeren für die Marmelade selber pflücken, das Gemüse selber anbauen,…

Wenn ich in meinem Garten gelbe, rote und grüne Tomaten ernte, diese mit etwas Olivenöl, Salz, Mozarella und Balsamico anrichte, dazu ein frisch gebackenes Baguette aus dem Ofen hole. Dann bin ich mir sicher, dass kein Hummer oder Kaviar da mithalten kann.

Womit wir zum nächsten Punkt kommen:

Hygge muss nicht teuer sein

Oft sind es die kleinen Dinge, die die meiste Freude bereiten. Ein schlichtes, selbstgekochtes Essen, eine Wanderung, eine Lagerfeuerrunde mit Gitarre und Gesang, ein Karte im Briefkasten, in der Bücherei stöbern, ein Sonnenaufgang,… Das alles kostet nicht viel und kann doch so viel Glück verbreiten.
Es muss nicht immer „größer, besser, schneller“ sein, manchmal tut genau das Gegenteil richtig gut: „Klein, aber fein. In den unperfekten Dingen die Schönheit sehen. Langsam und ganz bewusst, im Hier und Jetzt.“

Weihnachten

Natürlich muss ich dieses Kapitel erwähnen. Hallo, dies hier ist schließlich ein Adventskalender und wir haben genau Halbzeit. 😉

Vermutlich haben wir alle bereits viel mehr Hygge in uns, als wir dachten. Das leben wir besonders im Dezember aus. Auch hier bei uns wird es sehr früh dunkel und die ersten richtig kalten Tage lassen die Sehnsucht nach Wärme und Licht wachsen.

Im Advent schmücken wir die Fenster, verzaubern das schnöde Wohnzimmer mit Lichterketten, Kerzen und warmen Decken in wahre Kuschelhöhlen.
Wir nehmen uns Zeit zu backen, im Haus riecht es nach Plätzchen und Zimt und Punsch.
Wir treffen uns mit Freunden auf einen Glühwein (dieses Jahr natürlich digital, aber man tut halt, was man kann) …

Wünschen wir uns nicht alle: „Fröhliche Weihnachten“?

Und beinhaltet dieser Wunsch nicht genau all das was „Hygge“ verkörpert?

Also lasst den Stress ziehen. Es gab noch kein Weihnachten, an dem mehr Hygge möglich war, weniger Termine im Kalender standen und wir dieses kuschelige, friedliche und auch sichere Gefühl mehr gebraucht hätten, als in diesem Jahr.

Zieht Euch euren Lieblingspulli und warme Wollsocken an, steckt die Lichterketten ein und zündet Kerzen an. Schaltet das Handy aus und den Fernseher nicht ein.
Nehmt Euch die Zeit, die ihr habt. Die Tage müssen nicht voll und gehetzt sein. Es ist OK, auch einfach mal nichts zu tun und den Tag vorbei ziehen zu lassen.
Oder mit den Worten von Astrid Lindgren (was für eine weise Frau!!):

Und dann muss man ja auch noch Zeit haben,

einfach da zu sitzen und vor sich hinzuschauen.

Ich schicke Euch ganz viel HYGGE! Genießt es!!
🌟

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