Altmodische Schneckenpost

Postkarten oder gar Briefe schreiben, ist ziemlich aus der Mode gekommen. Kein Wunder, denn eMails und Nachrichten sind zügig geschrieben, kommen schneller an, kosten einen Bruchteil, können in Sekundenschnelle beantwortet werden und man braucht weder Papier, noch Stift und Umschlag und schon gar keine Briefmarken oder der umständliche Weg zum Briefkasten fällt auch weg.
Also warum sollte sich irgendjemand diese Mühe machen??

Weil es dafür mehr als einen guten Grund gibt:

Es ist kurz vor der Mittagessenszeit, die Kinder sind hungrig und fertig (und zwar fix und fertig) von der Lernerei, das Essen blubbert auf dem Herd und ich husche noch schnell in die Waschküche, weil die Hosen auf die Leine wollen.
Auf dem Rückweg schaue ich noch kurz in unseren Briefkasten. Werbung, Rechnungen, ein Brief der Krankenkasse… das Übliche.
Aber was ist das? Zwischen den langweilig weißen Umschlägen blitzt es bunt hervor?!
Oh wie schön, eine Postkarte, für mich! Ein Strahlen huscht über mein Gesicht und bevor ich mich wieder in die Hölle des Alltagswahns begebe, bleibe ich noch einen Moment draußen in der Sonne stehen, betrachte das Bild und lese die liebevollen Zeilen. Mir wird ganz warm ums Herz. Ich atme tief durch und gehe beschwingt die Treppe nach oben.
Diese Karte schafft es, mich einen Moment aus dem Trott zu holen, schafft es, mich schmunzeln zu lassen. Und sie kann noch mehr. Ich hänge sie an den Kühlschrank und immer wieder, auch noch Tage später, zaubert sie mir ein Lächeln ins Gesicht.
Und nun meine Frage? Welche eMail kann das??

Deswegen bin ich ein großer Freund der guten, alten Schneckenpost! Und gerade im Moment, da wir alle weniger persönlichen Kontakt und dafür mehr Zeit haben, wäre es doch eine gute Idee, diese altmodisch anmutende Tradition wieder zu beleben.

Hier also 6 Tips, die dieser schönen Freizeitbeschäftigung Flügel verleihen:

  • Legt Euch einen kleinen Vorrat an Postkarten zu. Ich schlendere manchmal an den Kartenständern vorbei und lese die tollen Zitate. Wenn ich bei einer Karte an eine bestimmte Person denken muss, nehme ich sie mit, notiere mir mit Bleistift zu Hause den Namen darauf und wenn ich dann mal Leerlauf und Muße habe, schreibe ich die Karte.
  • OK, jetzt kommt berechtigterweise der Einwand, dass die Schreibwarenläden und Krustelgeschäfte gerade geschlossen haben. Stimmt. Aber Ausreden gibt es hier keine. (Eine hässliche Handschrift ist übrigens auch keine! Jeder freut sich lieber über ein paar gekrakelte Zeilen, als über keine. ;o) Ihr könnt jeden noch so schnöden Schmierzettel nehmen und ihn mit schönen Worten füllen. Der Empfänger freut sich auf jeden Fall. Und damit es trotzdem eine „besondere Post“ wird, zeige ich Euch morgen, wie ihr ganz einfach wundervolle, farbenfrohe Umschläge basteln könnt, mit Dinge, die Ihr garantiert zu Hause habt.
  • Ich habe immer Briefmarken zur Hand. Die kann man zum Glück auch online bestellen (hier). Am besten gleich welche für Postkarten (60Cent), normale Briefe (80 Cent), „besondere Briefe“ (95 Cent). Besondere Briefe??
  • „Besondere Briefe“ sind kleine Schatztruhen, denn diese wiegen mehr als 20 Gramm. Entweder hat Euch die Schreibwut gepackt und ihr habt tatsächlich so viele Seiten voll geschrieben, dass das Gewicht Eurer Worte den NormalBriefRahmen sprengt. Oder ihr habt Eurem Brief eine nette Kleinigkeit hinzugefügt. Hier eignen sich besonders ein paar Fotos, Blumensamen, ein leckerer Tee oder Unmengen von Konfetti. ;o)
  • Schaut Euer Adressbuch (auf Papier oder im Handy) durch. Welche Menschen liegen Euch besonders am Herzen? Habt ihr die aktuelle Postadresse?
  • Also der Brief / die Karte ist geschrieben, die Adresse rausgesucht und die Marke draufgeklebt. Dann darf der kleine Glücksbringer nun auf die Reise gehen. Zieht Eure Schuhe an und nutzt die Gelegenheit für einen kleinen Spaziergang. Schon ein paar Minuten frische Luft tun unglaublich gut!

Wenn ihr die Tipps beherzigt, dann ist es gar nicht mehr so eine Riesenaktion. Es ist mit dem Karten schreiben ein bißchen so, wie mit dem Spülmaschine ausräumen. Man denk oft dran, schiebt es aber dann doch vor sich her… und wenn man es dann doch tut, braucht man viel weniger Zeit, als man vorher dachte (im Ernst, stoppt mal die Minuten!).
Und das Gefühl hinterher: sehr befriedigend.

Also dann kleiner Brief: Gute Reise!

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