Warum überhaupt das Haus verlassen??

Man sagt ja: Gegensätze ziehen sich an. Bei uns stimmt das.
Meine Familie ist anders als ich. Das fällt mir nun noch viel mehr auf, seit wir pausenlos aufeinandersitzen.

Ich habe mal gelesen, dass die Menschen, mit denen man sich am meisten umgibt einen großen Einfluss darauf haben, wie man sich entwickelt…
Oh Schreck! Will ich das??
Nicht falsch verstehen: ich liebe meinen Mann und meine Kinder über alles. Aber sie sind eben anders. Manchmal sogar sehr.


In Zeiten der Isolation und des Abstandhaltens, es ist für mich eine riesige Herausforderung, mich selbst und das, was mir wichtig ist, nicht aus den Augen zu verlieren. Die Menschen, die mich hier umgeben sind introvertierter, begeistern sich für andere (seltsame?) Dinge und sie sind pubertär (mit Ausnahme des Mannes natürlich!). Und allesamt sind sie Frischluftverachter und Sonnenscheu.

Wenn ich hier eine gemeinsame Aktion im Freien anrege (und ich trau mich ja erst gar nicht einen schnöden Spaziergang vorzuschlagen), dann ist die Reaktion die gleiche, als würde ich ankündigen, dass wir Morgen früh um 5:30 Uhr aufstehen müssen, für eine schmerzhafte Zahnarztbehandlung. Klingt lustig, ist aber soooo anstrengend!

Ich weiß, wie gut es allen in der Familie geht, wenn wir uns etwas an der frischen Luft bewegt haben, aber jedes mal die Kraft aufbringen und alle Mitbewohner motivieren, das schaffe ich einfach nicht. Ich weiß, dass ich es sollte, das ist mein Job als Mutter. Aber manchmal ist es so hart!!

Und das schlimmste ist, dass dieses „rumgammeln“ und „einigeln“ richtig ansteckend ist. Ich ertappe mich dabei, dass ich selbst keine Lust mehr habe, alleine durch die Gegend zu marschieren… Warum auch?

Warum sollte ich überhaupt das Haus verlassen? Es gibt keinen Grund. (Ist es nicht sogar gefährlich?? #stayhome.)
Einkaufen gehe ich nur einmal die Woche (für diese Woche schon erledigt). Arbeiten kann ich auch nicht, Coronabedingt. Die Kinder sind so groß, dass sie keine Begleitung mehr brauchen und diese auch gar nicht wollen. Menschen besuchen soll ich nicht, etwas Neues zu entdecken gibt es nicht, draußen ist es eh zu warm / zu dunkel / zu nass… (nach Belieben einzusetzen, meine Famlie kennt zu jedem Wetter das passende negative Adjektiv).

Und ja, es ist im Moment sehr einsam, manchen Menschen macht das wenig aus. Mir schon!

So viel Unlust und Gejammer…

Hey, aber so bin ich doch eigentlich nicht!! Auch wenn sich diese Gedanken immer mehr einschleichen und ich mich in einer virtuellen Welt aus YouTube und Netflix super verstecken kann, so weiß ich doch, was ich eigentlich brauche. Ich brauche andere Menschen und Kommunikation, ich will kleine Abenteuer erleben und Neues Entdecken.

ICH MUSS HIER RAUS!!

Ich will frische Luft zu schnuppern, den Blick über die Felder schweifen lassen, dem Nachbar winken, die Bienen betrachten, den Kopf durchpusten lassen, am frisch gesägten Holz schnuppern,…
Das alles macht mich so viel glücklicher, als es das einsame Schneckenhaus daheim kann.

Deswegen habe ich mich selbst in den Hintern getreten und strebe wieder wenigstens einen Spaziergang am Tag an, am liebsten gleich morgens, wenn die Luft noch schön frisch ist und die Gedanken leer.

Und diese Bilder beweisen, dass es sich lohnt.

Hummel mit Mohnblume, gleich zwei mal wunderschön!
Zauberhaftes Lichtspiel auf dem Zauberbrückchen hier im Wald.
Holunder zum schnuppern (hihi, seh ich auf diesem Bild zerknautscht aus. ;o)
Wunderschöne lila Blümchen mit Biene.
Kunterbunte Wiesenblumen, so kann ich ein bißchen Natur mit nach Hause nehmen.

In jeder noch so kleinen Runde durch die Nachbarschaft und in die Natur hinter unserem Haus gibt es etwas zu bestaunen und zu entdecken.
Meine Energie steigt und ich kann dabei in Ruhe überlegen, was ich mir von diesem Tag wünsche, was es noch zu tun gibt und dann bleibt immer noch genug Zeit übrig, um einfach nur zu gehen und sonst überhaupt nichts zu tun.

Um also die anfängliche Frage abschließend zu beantworten: Warum überhaupt das Haus verlassen?
Weil es unglaublich gut tut!!

Und es ist so einfach. Schuhe anziehen, Schlüssel schnappen und loslaufen.
Ziel: Braucht es keines.
Dauer: Egal, es stehen eh keine Termine an.
Mitbringen: Ein wacher Blick und ein offenes Herz. ❤️

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